Kann man Liebe erben?

© Anhees - Fotolia.comWie ein ungebetener Virus schlichen sich  während der Konzeptionsphase des Buches „In Sandalen nach Alaska“ diese Worte in meine Gedanken, bis ich endlich begann, diesen Satz zu hinterfragen.

Das damals noch recht unpopuläre Thema „Transgenerative Verstrickungen“ rückte ins Zentrum meiner Recherchen, die sich eigentlich hauptsächlich mit dem Thema „Auswandung“ beschäftigen sollten.

Doch was sind transgenerative Verstrickungen? Bisher hatte ich angenommen, ein Cocktail körperlicher und charakterlicher Eigenschaften gemischt aus den Zutaten der mütterlichen und der väterlichen Seite meiner Vorfahren ermöglicht mein Dasein. Nun stellte ich fest, da gab es noch viel mehr. Nicht abgeschlossene Lebensthemen und sogar Traumata der Ahnen können ebenfalls über die Gene an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden.

Vorwiegend handelt es sich um Themen, die die Vorfahren sehr „beeindruckt“ haben und mit denen sie zu Lebezeiten nicht abschließen konnten. Auch gute, glückliche Ereignisse können den Menschen überaus beeindrucken, deshalb wage ich zu behaupten: „Liebe kann man erben!“.

Das Problem mit diesen Verstrickungen ist nur, diese transgenerativ übertragenen Themen gehören nicht zu der Person im JETZT. Trotzdem behindern oder beflügeln sie ihr Leben, denn solche Verstrickungen wirken meist im Verborgenen.

Manchmal öffnet sich ein Fenster und die Person darf diese unsichtbaren Fäden erkennen. Zum Beispiel: Sie stellt plötzlich fest, dieser Glaubenssatz kann nicht mein eigener sein. Ich habe in meinem Leben nie etwas erlebt, was diese Gedanken rechtfertigen würde. Dann fällt ihr ein: „Im Leben meiner Großmutter, ja damals da gab es ein Ereignis, ein schweres Schicksal …“.

Oft reicht es, sich solcher Verstrickungen bewusst zu werden, um die Dinge dort zu lassen, wo sie hingehören, in die Vergangenheit, und bei denen Menschen, die dieses Schicksal erlebt haben, den Vorfahren.

In schwerwiegenden Fällen, zum Beispiel wenn ein Mensch an einer Depression leidet, ist eine Therapie angesagt.

Immer aber ist eine innere Haltung von Achtung, Demut und Dankbarkeit gefordert. Unsere Vorfahren hatten oft ein schweres Schicksal und doch wollen Eltern, Großeltern, Urgroßelter und so weiter immer, dass es mit ihren Nachkommen gut weitergeht. Es ist nie ihr Wunsch, dass wir uns etwas aufbürden, das unser Leben belastet.

Liebe, Auswanderung, Themen der Vorfahren, die Recherchen für mein Buch nahmen eine Richtung an, bei der ich mich oft  fragte, was sie wohl mit dem Englischlernen gemeinsam haben könnten?

Nina, die Protagonistin der Erzählung „In Sandalen nach Alaska“ war nicht in der Lage, sich nach der Familienzeit für ihre eigene  Lebensgestaltung einzusetzen. Paul litt unter Bindungsproblemen und Depressionen. Ganz alltägliche Kümmernisse also, von denen man nie erwarten würde, dass sie eine gemeinsame Ursache haben und dass diese Ursache schon eine Generation zurückliegen könnte.

Erst mit Ninas Absicht, Englisch lernen zu wollen, um in die Staaten zu reisen, kommt ein Ereignisprozess in Gange, der das Fenster für eine mögliche Lösung dieser alten Bindungen öffnet. Wie Nina und Paul es geschafft haben, sich aus den unsichtbaren Fesseln zu lösen, erfährst Du in dem Buch „In Sandalen nach Alaska“.