Unternehmerinnentag 2017 – SERVICE PLUS

Unternehmerinnentag 2017 in Hannover

Niedersächsischer Unternehmerinnentag 2017 „SERVICE PLUS“ im Neuen Rathaus in Hannover

Zugegeben der Begriff SERVICE PLUS war für mich eine Herausforderung. Würde es an diesem Tag um zusätzliche SERVICE-Angebote gehen, die eine Unternehmerin ihren Kunden in Zukunft zur Verfügung stellen muss, um neue Berufsbilder oder gar um Helferlein (Services) für die Unternehmerin selbst?

Mit diesen Fragen im Gepäck fuhr ich am 25.11.2017 nach Hannover.

Neugierig checkte ich gegen 10.00 Uhr im Neuen Rathaus der Stadt Hannover ein, gerade noch rechtzeitig, um die Begrüßungsmoderation von Gina Thoneick (ffn) mitzuerleben. Keine langen Begrüßungsreden also, sondern gezielte Fragen an Sabine Tegtmeyer-Dette (Erste Stadträtin und Wirtschafts- und Umweltdezernentin), Ute Stahlmann (Niedersächsisches Ministerium, Arbeit und Verkehr) und Dr.-Ing. Adolf M. Kopp (Geschäftsführer der hannoverimpuls GmbH).

Und nun rate mal, welches Thema als erstes aufpoppte? Es war das Thema DIGITALISIERUNG und damit verbunden, die sich permanent in Veränderung befindende Arbeitswelt.

Der Begriff DIGITALISIERUNG lässt sich schwer beschreiben, denn jeder versteht unter diesem Thema etwas anderes. Ich konnte also die Brille der Webdesignerin und Coach aufbehalten, um für meine Kunden die für sie relevanten Zukunftsthemen heraus zu extrahieren. In eigener Sache: Obwohl ich kein entsprechendes Zertifikat an meiner Wand hängen habe, nenne ich mich Coach, denn nichts anderes tue ich seit Jahren. Ich berate, coache und begleite meine Kunden bei der Entstehung, der Aktualisierung und der Weiterentwicklung ihrer Webpräsentationen.

Nach der Begrüßung und der allgemeinen Einführung in das Thema folgten Kurzvorträge. Mensch vs. Maschine – Emotionen auf Knopfdruck. Doreen Biskup (mice academy) erklärte, welche Grundemotionen es gibt, dass Frauen anders angesprochen werden wollen als Männer und das gut initiierte Videos großen Emotionen wecken können. Als Beispiel zeigte sie das Video #homecoming. Ein Rezept, wie Frau als Einzelunternehmerin dieses Wissen in ihr Tagesgeschäft integrieren kann, vermisste ich.

Denn, und das erfuhr ich in dem Vortrag von Bodil Nilsson (Winnet Sweden), Gründerinnen lernen durch weibliche Vorbilder. Frau Nisson stellte das Schwedische Modell „Suchst du´s noch oder kennst du´s schon“ vor. Das Ziel des Schwedischen Modell-Projekts war es, mehr Frauen zu Unternehmensgründungen zu motivieren. Frauen gründen anders als Männer – eigentlich nichts Neues. Neu war für mich der Botschafterinnen-Gedanke. Unternehmerinnen, die als Botschafterinnen aktiv sind, referieren über ihre Gründung, erklären die einzelnen Schritte und verschweigen dabei auch die Schwierigkeiten und Fallen nicht. So war es Frauen, die mit einer Gründungsidee schwanger gingen, möglich anhand von Erfolgsgeschichten zu lernen. Eine Initiative mit einer hohen Erfolgsquote.

Ein weiteres Thema, das mir bisher vom Potential her noch gar nicht bewusst war, ist der Handel mit dem Ausland. Anhand einiger Beispiele zeigte Frau Nilsson, dass solche Geschäftsideen sehr erfolgreich sein können.

Im dritten Kurzvortrag ging es um Chatbots. Mein Eindruck war, dass Herr Andreas Hardt (MIA24 GmbH) den anwesenden Frauen nur schlecht vermitteln konnte, welche Aufgaben in der digitalen Kundenkommunikation Chatbots übernehmen können. Chatbots sind textbasierte Dialogsysteme mit denen sich in natürlicher Sprache mit dem dahinterstehenden System kommunizieren lässt. Chatbots lassen sich zum Beispiel einsetzen für eine automatische Terminvereinbarung über einen Messenger oder zur Beantwortung von Standartfragen, die automatisiert werden können.

Nach dem leckeren Mittagessen ging es in die Interaktiven Workshops. Zur Wahl standen: „Social Entrepineurship“ mit Naohmi Ryland von tbb – The Changer GmbH, „New Work, interkulturell, multifunktional, weiblich“ mit Inge Höltmann (Speaker und Journalistin) und Bodil Nilsson (Winnet Sweden). Ich entschied mich für „Dienstleistungssektor Reloaded“ mit Nina Geiss (Taylor Flynn GmbH) mit Andreas Hard (MIA24 GmbH).

„Dienstleistung Reloaded“, denn viele meiner Kundinnen kommen aus dem Dienstleistungssektor. Der Dienstleistungssektor umspannt ein weites Berufsfeld. Es geht von selbstständige Altenpflegerinnen, Coaches, Dolmetscher über Rechtsanwälte, Steuerberater bis hin zu den kreative Berufen. In ihrem hochkarätigen Vortrag beschrieb Nina Geiss wie wichtig es für eine Unternehmerin ist, sich selbst, ihr Unternehmen oder ihr Produkt als Marke aufzubauen. Sich selbst authentisch, mit einer eigenen Geschichte (Storytelling), mit individuellen Differenzierungsmerkmalen und seinen Kompetenzen ins Rampenlicht zu rücken, ist ein immer wichtiger werdender Aspekt des Geschäftslebens. Und dazu gehört selbstverständlich die eigene Webseite und die Kommunikation über die Sozialen Medien.

Marketing für das eigene Unternehmen zu initiieren ist zusätzliche Arbeit, die neben dem Tagesgeschäft erledigt werden will. Darum sollte man sich nicht scheuen, digitale Hilfsmittel zu nutzen, z.B. für die Termin- oder Projektplanung, zur Zeiterfassung usw. Es sich so einfach wie möglich machen und es auch dem Kunden einfach machen, wenn es darum geht Arbeitsprozesse zu gestalten.

Besonders gut hat mir gefallen, dass Frau Geiss Beispiele aus ihrem eigenen Agenturgeschäft brachte und den Konfliktbereich „Beruf und Familie“ mit Lösungen selbstbewusst in den Fokus rückte.

Andreas Hardt gab anschließend eine kurze Einführung in die Adminstration eines Chatbot-Programms.

Nach der Kaffeepaus erfolgte ein Summary, d. h. alle Fakten aus den Workshopf wurden zusammengetragen, so dass jede der 170 Teilnehmerinnen des Unternehmerinnentags ein Überblick über die Inhalte erhielt.

Im Open Panel-Format des Unternehmerinnentag 2017 stellten sich Jennifer Browarczy (Foreverly GmbH), Christine Paulus (Personal & Business Coaching), Wiebke Krohn (Arbeitgeberberaterin der Unternehmerverbände Niedersachsen e.V.) und Cornelia Klaus (hannoverimpuls GmbH) den Fragen des Plenums. Spotlights aus dieser Diskussion:

  • Es gibt über 200 neue Berufsbilder im digitalen Bereich und täglich entstehen neue.
  • Für junge Menschen bedeutet das: Eine solide Berufsausbildung in einem Beruf, der Spaß macht. Es ist damit zu rechnen, dass sie zukünftig mind. 3-5 Mal ihren Beruf wechseln müssen.
  • Wer als Unternehmerin erfolgreich sein will, darf keine Scheu vor digitalen Hilfsmitteln (meist Helferlein aus dem Internet) haben. Das heißt nicht, dass man wahllos alles was den Anschein hat hilfreich zu sein aus dem Netz herunterladen sollte, sondern das man sich erst informiert und dann agiert.
  • Genauso ist die Scheu vor dem Einsatz der Sozialen Medien nicht mehr zeitgemäß. Viele Kundenkontakte laufen inzwischen über die Sozialen Medien. Welchen Kanal man nutzt, Facebook, Twitter oder Pinterest, hängt von der eigenen Zielgruppe und den eigenen Vorlieben ab.
  • Permanente Weiterbildung ist für jede Unternehmerin ein MUSS!

Gegen 16.00 Uhr war der Unternehmerinnentag 2017 beendet.

Es gab viele Gespräche am Rande des Unternehmerinnentag 2017 und während der Pausen. Dabei erfuhr ich wieder einmal, wie wichtig persönliche Gespräche sind. Fachlich hat der Unternehmerinnentag mir nicht wirklich etwas Neues gebracht und doch spürte ich an diesem Tag erstaunlich deutlich, welch ein Bedarf an Information und KnowHow-Erwerb gerade bei Frauen, die im Dienstleistungssektor tätig sind, besteht. Viele Frauen sind verunsichert im Umgang mit den durch die Digitalisierung einhergehenden Veränderungen. Hier gibt es noch einiges zu tun. Ich traf aber auch Frauen, für die diese Veränderungen eine Herausforderung sind und die entsprechend erfolgreich in diesem Flow mitschwimmen.

Es war ein Tag voller Informationen.

Ein herzliches Dankeschön an alle Vortragenden und an die Veranstalter.

 

Weitere Informationen: www.unternehmerinnentag2017.de