Starke Frauen – Dorothea Schlözer

Pilgermuschel in Göttingen

Gestern habe ich gemeinsam mit anderen „starken“ Frauen den Frauenort „Göttingen“ besucht. Mit anderen Worten, wir wandelten auf den Spuren von Dorothea Schlözer, der ersten Doktorin der Philosophie in Deutschland (1787).

Das hört sich erst einmal gut an. Trotzdem war Dorothea Schlözer eine Frau ihrer Zeit. Trotz der wissenschaftlichen Ausbildung blieben ihr die Türen in die wissenschaftlichen Kreise verschlossen.

Warum also diese exzellente Ausbildung? Der Grund dafür war, dass schon vor ihrer Geburt ihr Vater Prof. Dr. August Ludwig Schlözer, ein radikaler Frühaufklärer, ein Erziehungsexperiment plante, die Schlözer-Basedow-Kontroverse. Zwei Gelehrte, die im Wettstreit lagen und durch die Erziehung ihrer Töchter ihre wissenschaftlichen Thesen untermauern wollten.

Dazu muss man wissen, dass in der Mädchen- und Frauenbildung dieser Zeit, die Frau in vielen Bereichen dem Mann als untergeordnet war und somit auch ihre Bildung als zweitrangig erachtet wurde. Ein Frauenbild übrigens, dass noch bis in die späten sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts in vielen Familien Gültigkeit hatte.

Dorothea Schlözer war eine sehr intelligente Frau, aber sie durfte ihr Wissen und ihre Fähigkeiten nicht nutzen. Und das, denke ich, macht traurig. So konnte sie zwar für kurze Zeit einen Blick hinter die Mauern der Wissenschaft werfen, doch dann musste sie ihr Potential wegschließen. Als erwachsene Frau fügte sie sich und lebte das damalige Rollenbild, heiratet den Lübecker Senator Matthäus Robbe und gebar 3 Kinder.

Wie gut, dass es heutzutage keine Frage mehr ist, ob man als Frau promoviert oder nicht. Jede Frau kann sich frei entscheiden, ob sie Karriere machen möchte, für einige Zeit das Familienmanagement übernehmen will oder beides zur gleichen Zeit kombiniert.

Und doch tut es weh zu sehen, wie langsam sich tradierte Normen verändern.