Keine Emanzipation ohne Liebesroman?

Lebensart im 18. Jahrhundert

Am Sonntag ist wieder einmal soweit – „Welttag des Buches“. Viele schöne Dinge fallen mir dazu ein: Bücher helfen mir dabei zu entspannen, sie inspirieren mich und sie helfen mir, die Welt zu verstehen. Das Lesen bereichert mein Leben auf vielfältige Weise.

Wie passt da der Satz „Die Emanzipation ist ohne Romane nicht denkbar!“ in meine schöne heile Bücherwelt?

„Romane sollen die Emanzipationsbewegung vorangebracht haben?“, fragte ich mich, weil ich es irgendwo gelesen hatte und mir diese These nicht mehr aus dem Kopf ging. Neugierig fing ich an zu recherchieren.

Es waren die Frauen vor 300 Jahren, die begannen die Bücherwelt zu erobern – als Autorinnen und als Leserinnen. Durch die Veränderungen in der Lebensweise zu Zeiten des Bürgertums im 18. Jahrhundert erhielten viele Frauen Entlastung im Haushalt und alle, die lesen konnten, frönten dieser neuen Leidenschaft – Hausfrauen, Hausmädchen, Adelige, Bedienstete – alle nahmen an dieser Entwicklung teil.

Jane Austen und Virgina Woolf, sind einige der bekanntesten Autorinnen dieser Zeit. In den Romanen wurden damals erstmalig Geschichten erzählt, für die eine Frau keine Bildung brauchte, weil sie an das Gefühl appellierten – man verstand sie, ohne studiert zu haben.

Oft ging es um die Liebe. Deshalb wurden sie selbst von den Frauen verschlungen, die nur eine rudimentäre Schulbildung hatten, mit der Folge zum ersten Mal lernten viele Frauen neue Lebenswelten und neue Lebensweisen kennen. Viele damalige Frauenschicksale waren  eingepfercht in ein frauentypisches Leben als Ehefrau und Mutter. Gestaltungsspielraum gab es da kaum. Einen guten Ehemann zu bekommen oder zu haben war Hauptlebensinhalt. Die Frauen in dieser Zeit hatten wenig Rechte, weder in der Gesellschaft noch in der Politik.

Und plötzlich gab es Bücher, die die Kraft hatten, ihren Vorstellungshorizont zu verändern, die sie entführten in fremde Welten. Andere Lebensweisen konnten plötzlich nachvollzogen werden, wurden denkbar und für so manche Frau sogar erstrebenswert.

Solch ein aufrührerisches Verhalten war gesellschaftlich natürlich nicht erwünscht. Noch waren es die Männer, die darüber entschieden, ob ein Buch ein gutes Buch war oder nicht, und schnell machten sie sich daran Listen zu erstellen, welche Bücher für eine Frau zu lesen schicklich waren.

Was bin ich froh, dass ich selbst entscheiden kann, was ich lese oder nicht. Das manche gesellschaftskritischen Bücher als gefährlich eingestuft wurden, egal ob sie es wirklich waren oder nicht, zeigen die vielen Bücherverbrennungen im Laufe der letzten Jahrhunderte.

Das Liebesromane zur Demokratisierung unserer Gesellschaft beitragen haben, ist ein sehr charmanter Gedanke. Für mich nachvollziehbar, denn mit dem Lesen von Romanen werden Wünsche wach und Wünsche sind oft der Beginn von neuen Abenteuern.

„Ein Leser lebt tausend Leben, bevor er stirbt. Wer niemals liest, lebt nur eins!“
George R. R. Martin, Schriftsteller.