Kann Weihnachtszauber giftig sein?

Weihnachtszauber am Tankumsee

Taggeheimnis sind die kleinen Lichtlein im grauen Alltag. Wenn wir sie finden oder entdecken, machen sie uns neugierig, bringen uns zum Staunen – oder zum Lachen.

Jakob war ein kleiner Junge. Er liebte es Taggeheimnisse zu sammeln. An einem grauen Regentag Anfang Dezember hatte er es sich in seinem Bett gemütlich gemacht um zu lesen.

Jakob schob das Buch beiseite. Die Geschichte war zu ende. Ein wirklich spannendes Buch von einem Jungen, der das Zaubern lernen wollte. Leider vermasselte er immer alles. Aus Lisas Zimmer klang Weihnachtsmusik. Lisa war Jakobs kleine Schwester.

‚Immer dieses Weihnachtsmusikgedudel!’, dachte Jakob. ‚Ich weiß gar nicht, warum Mädchen so darauf abfahren?’

Immer, wenn Jakob Lisa bat, das Geplärre doch endlich abzustellen, behauptete Lisa, sie brauche das, sonst könne sie den Zauber der Weihnachtszeit nicht richtig genießen. Was die Leute nur immer mit diesem Weihnachtszauber hatten. Es war Weihnachtszeit, die Zeit vor dem Weihnachtsfest. Nicht mehr und nicht weniger.

‚Kann der Weihnachtszauber auch giftig sein?’ fragte es in seinem Gedankenbrei. Jakob stutzte. Was für eine Frage? Entzückt von seiner neuen Taggeheimnisfrage machte Jakob sich auf den Weg, um die Familienmitglieder zu befragen. Oder wollte er sie nur etwas nerven?

„Nö, Weihnachten ist schön. Ich liebe die Weihnachtszeit, also kann der Weihnachtszauber auch nicht giftig sein!“, behauptete Lisa.

„Hmh, Weihnachtszauber giftig? Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich denke mal Nein!“, antwortete Mama.

„Ja klar! Dieses Weihnachtsmusikgedudel  macht mich ganz krank. Morgens im Büro bekommen meine Kolleginnen nicht genug davon, abends Lisa und Mama! Natürlich, dieser ganze Weihnachtstamtam ist reines Gift für meine Nerven!“, schimpfte Papa.

„Oh, mein Junge, wie kommst du nur auf diese Idee? Die Weihnachtszeit ist doch die schönste Zeit im Jahr. Eine Zeit voller zauberhafter Glücksmomente. Wie soll Weihnachtszauber da giftig sein?“ Das kam von Oma.

„Aber Oma, Papa sagt, dieses Weihnachtsliedergedudel ist reines Gift für seine Nerven!“, entgegnete Jakob.

Jakobs Oma fing an zu lachen: „Was für den einen Glück bedeutet, kann für den anderen Nerverei sein. Jeder hat ein anderes Verständnis von Glück. Ob etwas Weihnachtszauber ist und damit Balsam für die Seele, kann nur jeder für sich selbst herausfinden!“

„Und wie bitteschön? Wir leben doch in einer Welt voller Oberflächlichkeit und Kommerz, wie soll es da möglich sein, den Weihnachtszauber zu finden?“ Jakob dachte an Frau Hansen, seine Lehrerin.

„Glück fühlst du in deinem Herzen. Du kannst es nicht kaufen! Es gibt aber einen Trick, der dir dabei helfen kann! Lass das Staunen zu, sei offen für die schöne weihnachtliche Stimmung, für die Düfte, die Lieder  und die Überraschungen in dieser Zeit!“

Oma kam richtig ins Schwärmen.

„Das Sammeln dieser Glücksmomente macht den Weihnachtszauber aus. Wenn du allerdings zulässt, dass die Welt um dich herum es schafft, dir diese kostbaren Momente zu rauben, wenn du sie nicht mehr spüren kannst und du das Besondere der Weihnachtszeit nicht mehr fühlen kannst, dann bist du in der Tat vergiftet, doch nicht vom Weihnachtszauber!“, fügte Oma lächelnd hinzu.

Staunend sah Jakob seine Oma an. Ihr Gesicht schien ganz jung zu werden. War das auch ein Weihnachtszauber?

Liebevoll lächelte Oma ihren Enkel an und sagte: „Weihnachtszauber muss man fühlen, um ihn zu erleben!“

In diesem Sinne wünsche ich allen eine frohe Weihnachtszeit.